Deutschland wird kleiner und älter. Das ist keine neue Nachricht. Neu ist aber, wie ungleich sich dieser Wandel über das Land verteilt. Das zeigt eine Studie, die das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung zusammen mit der Wüstenrot Stiftung vorgestellt hat.
Weniger Menschen, noch weniger Arbeitskräfte
Bis 2045 dürfte die Bevölkerung auf rund 81,8 Millionen Menschen sinken, das sind 1,7 Millionen weniger als Ende 2025. Das eigentliche Problem ist jedoch ein anderes: Die Zahl der Erwerbstätigen schrumpft bundesweit um 4,7 Prozent, während die Zahl der Rentnerinnen und Rentner steigt.
„Die Babyboomer gehen in Rente, deutlich kleinere Jahrgänge rücken nach, die Geburtenzahlen sinken, und die Zuwanderung gleicht den wachsenden Sterbeüberschuss nicht aus“, erklärte Institutspräsidentin Catherina Hinz. Als Babyboomer bezeichnet man die Generation der Sechzigerjahre: Damals kamen pro Jahrgang über eine Million Kinder zur Welt.
Nicht Ost gegen West, sondern stark gegen schwach
Die Forscher haben alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte nach 26 Indikatoren bewertet, von Wirtschaft über Bildung bis zu sozialen Bedingungen. Ihr Ergebnis: Die vertrauten Gegensätze zwischen Ost und West, Nord und Süd, Stadt und Land erzählen nur einen Teil der Geschichte. Entscheidend ist immer stärker, wie wirtschaftlich attraktiv eine Region ist.
Spitzenreiter ist Berlin: Die Hauptstadt soll um fast 10 Prozent wachsen. Auch Hamburg, München, Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Dresden und Potsdam ziehen Menschen an, ebenso das Umland vieler Großstädte. Junge Leute zieht es in die Metropolen, Familien eher an den Stadtrand.
Zu den Verlierern gehören dagegen auch westdeutsche Großstädte wie Bremen, Duisburg, Dortmund und Kaiserslautern. Am stärksten trifft es dünn besiedelte Regionen, viele davon im Osten: Dort könnte die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter bis 2045 um bis zu 18 Prozent sinken.
Wenn weniger Wasser durch die Rohre fließt
Wie konkret die Folgen sind, zeigt ein unscheinbares Beispiel: Wasserleitungen sind für eine bestimmte Menge ausgelegt. Fließt deutlich weniger Wasser durch die Rohre, steht es länger in den Leitungen, Keime vermehren sich leichter, und die Rohre müssen häufiger gespült werden. Ein Rückbau wäre teuer.
Was jetzt zu tun ist
Die Autoren fordern regionale Lösungen statt Einheitsrezepte. „Was eine gute Antwort für eine wachsende Großstadt ist, muss nicht gleichzeitig auch gut für einen schrumpfenden ländlichen Kreis sein“, sagt Manuel Slupina von der Wüstenrot Stiftung. Und er stellt eine unbequeme Frage: Wie viel Ungleichheit verträgt das Versprechen des Grundgesetzes, dass Menschen überall in Deutschland gleichwertige Lebensverhältnisse haben sollen?
