Die Fans des VfL Bochum müssen sich umstellen: In der Ostkurve des Ruhrstadions ist gemeinsames Hüpfen ab sofort verboten. Was zunächst wie ein Scherz klingt, ist eine offizielle Anordnung der Behörden.
Wenn die Tribüne zum Trampolin wird
Der Zweitligist hat das Verbot am Mittwoch bekannt gegeben. Auslöser ist ein Gutachten, das im Zuge der laufenden Umbauarbeiten am Stadion erstellt wurde. Die zuständige Bauaufsichtsbehörde hat das Hüpfverbot daraufhin per Ordnungsverfügung festgelegt.
Die Begründung klingt ungewöhnlich: Wenn viele Menschen gleichzeitig und im selben Rhythmus springen, gerät die Tribüne in starke Schwingungen. Man spricht vom sogenannten Trampolineffekt. Vor allem bei „ungeübten“ Stadionbesuchern könne das zu Unwohlsein führen, erklärt der Verein. Einsturzgefahr besteht dagegen nicht: Die Tragfähigkeit der Tribüne sei kein Problem, die Kurve dürfe weiterhin voll ausgelastet werden.
Jubeln ja, Choreografie nein
Streng untersagt sind laut Klub „gemeinschaftliche, synchronisierte, rhythmische Hüpf- und Sprungbewegungen“. Wer bei einem Tor spontan in die Luft springt, muss dagegen keine Konsequenzen fürchten. Das Verbot gilt bereits ab dem Heimspiel am Sonntag gegen Arminia Bielefeld und soll erst nach dem Ende der Bauarbeiten im Jahr 2028 aufgehoben werden.
Dieses Verbot betrifft explizit beispielsweise nicht den Torjubel, sondern lediglich choreographiertes Springen.
Für den Verein steht viel auf dem Spiel. Er muss die Regel nicht nur umsetzen, sondern auf der Tribüne auch kontrollieren. Halten sich die Fans nicht daran, droht im schlimmsten Fall die Sperrung der gesamten Ostkurve, also von bis zu 10.000 Plätzen. Ausgerechnet dort stehen die Ultras, die organisierten Anhänger des Vereins.
„Satire?“ Spott im Netz
Die Reaktionen in den sozialen Medien reichen von verstimmt bis belustigt. Auf Instagram kamen innerhalb von rund 3 Stunden mehr als 200 Kommentare zusammen. Viele hielten die Meldung zunächst für einen Witz. Andere fanden das Argument mit dem Unwohlsein wenig überzeugend und hätten sich eine klare technische Erklärung gewünscht. Und manche spotteten, für Unwohlsein sorgten ohnehin eher die Heimergebnisse der Mannschaft.
Magdeburg hat es vorgemacht
Ganz neu ist ein solches Verbot nicht. In Magdeburg durften die Fans auf der Nordtribüne von 2016 bis 2019 nicht rhythmisch hüpfen. Damals ging es um starke Schwingungen und drohende Schäden an der Konstruktion aus Stahlbeton. Erst nachdem das Stadion umgebaut und verstärkt worden war, wurde das Verbot aufgehoben. Die Magdeburger haben also bewiesen, dass sich Fans an eine solche Regel halten können. Ob das auch in Bochum gelingt, zeigt sich am Sonntag.
Und Sie? Könnten Sie ruhig stehen bleiben, wenn die ganze Kurve singt?
