Stell dir vor, du kaufst in der Bäckerei einen Kuchen. Er schmeckt fantastisch, aber das Rezept bleibt geheim. Dann kommt jemand, probiert ein Stück und schreibt dir das ganze Rezept auf. Genau das machen KI-Modelle seit ein paar Wochen mit Computerprogrammen. Und das Internet ist im Ausnahmezustand.
Rezept, Backen, Kuchen
Wenn eine Firma ein Spiel oder ein Programm entwickelt, schreibt sie zuerst den Quellcode. Das ist das Rezept. Dann übersetzt ein Compiler diesen Text in Maschinencode, also in Nullen und Einsen. Das ist das Backen. Wir Kunden bekommen nur den fertigen Kuchen: eine Datei, die der Computer versteht, aber kein Mensch lesen kann. Aus dem Kuchen wieder das Rezept zu machen, nennt man Reverse Engineering. Das war bisher unglaublich mühsam. Deshalb haben sich Firmen jahrzehntelang darauf verlassen: Unser Code ist sicher, weil ihn niemand lesen kann.
Die Zahl, über die alle sprechen
Vor ein paar Wochen hat OpenAI das Modell GPT-6 Astra vorgestellt. In einem Test sollte die KI 262 Programmdateien knacken, ohne den Quellcode zu sehen. Schon beim ersten Versuch hat sie 88 % der Aufgaben gelöst, mit 4 Versuchen sogar 99,2 %. Das alte Modell schaffte nur 68,7 %. Ende September kam dann Claude Opus 5.5 von Anthropic, und viele Bastler sagen: Für ihre Projekte ist es noch besser.
Aber Achtung: In diesem Test ging es um spezielle Programme, nicht um große Spiele. 99 % heißt also nicht, dass die KI jedes Programm der Welt sofort knackt. Trotzdem spricht der YouTube-Kanal AI Search von einem Wendepunkt.
Mario in Elden Ring
Und dann ging es los, vor allem bei Gamern. Anfang Oktober war die Plattform X voll mit Videos: Minecraft in GTA, Mario in Elden Ring, Skateboard-Tricks in Call of Duty. Man nennt das Mashup-Mods, also Mischungen aus zwei Spielen. Oft laufen beide Spiele gleichzeitig, und die KI baut eine Brücke dazwischen. So fliegt Spider-Man durch die Stadt von Batman, und Batman ist einfach unsichtbar. Der YouTuber Basic Dev ist trotzdem skeptisch. Seine Meinung: Damit kann man im Internet angeben, aber ein ganzes Spiel kann man so nicht spielen.
Andere gehen weiter. Sie lassen die KI ein Spiel komplett auseinandernehmen und neu schreiben, oft in der Programmiersprache Rust. Dann läuft das alte Spiel plötzlich auf einem anderen Gerät. Ein Projekt namens PortPS5 will sogar Spiele von der PlayStation 5 direkt unter Windows starten. Die Werkzeuge liegen kostenlos auf GitHub. Das bekannteste heißt Universal Modder und hat in gut einer Woche über 5.700 Sterne gesammelt.
Und Photoshop?
Das Thema geht weit über Spiele hinaus. Der Entwickler Brandon Thomas hat mit Claude Opus 5.5 kostenlose Kopien von 7 Adobe-Programmen gebaut, zum Beispiel PhotoCraft statt Photoshop. Er sagt, er hat keinen Code von Adobe benutzt. Seine Programme sehen nur so aus und funktionieren ähnlich. Ein Fotograf hat sie auf YouTube getestet und war überrascht: viel besser als erwartet, aber noch lange nicht fertig. Er glaubt außerdem, dass Adobe bald jemanden verklagt. Thomas selbst ist sehr selbstbewusst. Sein Satz: „Software ist vorbei.“
Der Moderator von AI Search sagt dazu mit einem Augenzwinkern: Natürlich soll niemand so etwas mit Photoshop machen. Man soll lieber brav jedes Jahr Hunderte Dollar für ein Abo bezahlen, das man kaum kündigen kann.
Die Firmen wehren sich
Die Rechteinhaber reagieren schnell. Anfang Oktober hat Bethesda ein KI-Spiel im Stil von Fallout gestoppt. Der Entwickler Maurice Heumann hat mit 17 KI-Agenten gleichzeitig das alte Call of Duty: Modern Warfare 2 zurück in Quellcode verwandelt. Activision hat sein Video sperren lassen. Die seriösen Projekte auf GitHub haben deshalb klare Regeln: nur Spiele, die man selbst gekauft hat, keine Online-Spiele mit Schutz gegen Betrüger und niemals die Dateien des Spiels veröffentlichen.
Streit in der Szene
Auch viele Fans sind sauer. Das Team von N64: Recompiled bringt seit Jahren alte Nintendo-Spiele auf den PC, und zwar per Hand. Es sagt: Wir haben nie KI benutzt, und wir werden es nie tun. KI-Ports nennt das Team einen Wettlauf nach unten. Andere sehen es positiver. Der Entwickler Chris Lewis hat ein altes Spiel für den Nintendo 64 mit KI-Agenten in 84 Tagen vollständig zurückübersetzt. Für den zweiten Teil der Serie brauchte er vorher, meistens ohne KI, 596 Tage. Aber auch er sagt ehrlich: Ohne 3 menschliche Experten wäre das Projekt stecken geblieben.
Warum alle von einem Wendepunkt sprechen
Eine alte Regel gilt nicht mehr: Was schwer zu lesen ist, ist sicher. Das britische Portal The Register schrieb schon im September, diese Art von Sicherheit sei tot. Basic Dev fürchtet noch etwas anderes. Firmen könnten Spiele und Programme bald nur noch über die Cloud anbieten. Dann bekommt man keine Datei mehr, sondern nur einen Stream, und uns gehört noch weniger als heute.
Ein Komiker auf YouTube hat die Stimmung schön gezeigt. Sein Held malt zuerst den Weltuntergang aus: Banken, Häfen und Flughäfen hören auf zu funktionieren. Und dann fragt er ganz begeistert: Hast du gesehen? Jetzt gibt es auch Minecraft in Skyrim.
Und was denkst du? Ist das die Befreiung der Software, oder einfach Piraterie mit besserem Werkzeug? Bis zum nächsten Mal!
