Auf der Wartburg gibt es ein kleines Zimmer. Früher war dort ein schwarzer Fleck an der Wand. Die Leute sagen: Martin Luther hat hier ein Tintenfass an die Wand geworfen. Er wollte den Teufel treffen. Ist das wahr?

Ein Mann mit falschem Namen
Es ist das Jahr 1521. Martin Luther ist Mönch und Professor. Er kritisiert die Kirche. Der Kaiser ist sehr böse auf ihn. Luther ist in Gefahr.
Aber ein Fürst hilft ihm: Friedrich der Weise. Am 4. Mai nehmen Männer Luther mit. Es sieht aus wie ein Überfall, aber es ist ein Trick. Sie bringen ihn auf die Wartburg, eine Burg bei Eisenach.
Niemand soll wissen: Luther ist hier. Er hat jetzt einen anderen Namen: Junker Jörg. Er trägt Kleider wie ein Ritter. Er lässt die Haare und einen Bart wachsen.
Ein Buch in 11 Wochen
Luther ist viel allein, und es geht ihm oft nicht gut. Aber er arbeitet. Er übersetzt das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Er braucht nur 11 Wochen.
Luther will einfaches Deutsch. Später schreibt er: Man muss die Mutter im Haus fragen, die Kinder auf der Straße und die Leute auf dem Markt. Wie sprechen sie? So muss man übersetzen.
Im September 1522 kommt das Buch heraus. Es ist teuer. Aber nach 3 Monaten sind alle 3.000 Bücher weg. Viele Menschen lesen jetzt Luthers Deutsch.
Und der Fleck?
Luther erzählt: Auf der Wartburg kommt oft der Teufel zu mir. Er sagt auch: Ich habe den Teufel mit Tinte vertrieben. Wahrscheinlich meint er seine Arbeit, also die Bibel.
Aber die Leute erzählen lieber eine andere Geschichte: Luther wirft ein Tintenfass. Schon im Jahr 1713 zeigt man den Besuchern einen Fleck an der Wand.
Viele Besucher nehmen kleine Stücke von der Wand mit nach Hause. Darum malt man den Fleck immer wieder neu.

Heute sieht man keinen Fleck mehr. Jedes Jahr kommen fast 500.000 Menschen auf die Wartburg. Und viele suchen noch den Fleck.
