Im Jahr 2009 war der Plan klar: Der neue Hauptbahnhof in Stuttgart ist im Dezember 2019 fertig. Heute heißt das Ziel Dezember 2031. Und ein Grund für die letzte Verspätung klingt fast wie ein Witz. Die Bahn wollte keine Zeit verlieren. Deshalb hat sie in großer Eile Kabel verlegt, und der größte Teil davon passt nicht.

Ein Bahnhof unter der Erde
Der alte Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof: Die Züge fahren hinein und müssen auf demselben Weg wieder hinaus. Deshalb baut die Bahn einen neuen Bahnhof unter der Erde, und dort fahren die Züge einfach durch. Auf den alten Gleisen soll später ein neues Stadtviertel entstehen, mit Wohnungen für etwa 11.000 Menschen. Das Projekt heißt „Stuttgart 21“. Man hat es 1994 vorgestellt, gebaut wird seit 2010.

Ein neues Wort für Deutschland
Viele Menschen in Stuttgart waren gegen das Projekt. Es war ihnen zu teuer, und für die Baustelle mussten alte Bäume im Schlossgarten weg. Im Jahr 2010 protestierten Tausende auf der Straße. Unter ihnen waren viele ruhige, ältere Bürger. Ein Journalist der Zeitschrift „Spiegel“ fand für sie ein neues Wort: „Wutbürger“. Es wurde das Wort des Jahres 2010, und auf Platz 2 kam „Stuttgart 21“.
Schneller bauen, später fertig
Statt 2019 kamen immer neue Termine: 2020, 2021, 2025, 2026. Im Juni 2026 hat Bahnchefin Evelyn Palla das neue Datum genannt: Dezember 2031. Die Kosten steigen auf 14,5 Milliarden Euro.
Ein großes Problem ist die Technik. Stuttgart soll der erste Bahnknoten in Deutschland werden, der ganz digital funktioniert. Jeder Zug sendet seine Position an einen Computer, und der Computer sagt dem Lokführer, wie schnell er fahren darf. Aber manche Güterzüge haben diese Technik noch nicht. Für sie braucht man weiter normale Signale am Gleis.
Die Planung war noch nicht fertig, aber die Baufirmen waren schon bestellt und die Strecken gesperrt. Die Bahn wollte diese Chance nicht verlieren und ließ einfach Standardkabel verlegen. Heute ist klar: Von mehr als 1.000 Kilometern Kabeln und Kabelschächten muss der größte Teil ausgetauscht werden. Ein Insider sagte dem Sender SWR: „Wir wollten den Eröffnungstermin von Stuttgart 21 nicht gefährden.“ Auch deshalb öffnet der Bahnhof jetzt Jahre später. Ein Bahnexperte hat die Schächte gesehen und gesagt: „Das ist keine Baustelle, das ist ein Saustall.“
Was das für die Menschen heißt
Für die Reisenden bleibt vieles, wie es ist. Der alte Bahnhof bleibt bis Sommer 2032 in Betrieb. Zu den Gleisen laufen sie bis heute einen langen Umweg, und viele nennen ihn ironisch den „Fernwanderweg“. Ab Dezember 2027 soll er kürzer werden. Auch das neue Stadtviertel muss warten. Evelyn Palla sagt: „Die Menschen haben es verdient, dass wir reinen Tisch machen.“
Und du? Gibt es in deiner Stadt auch eine Baustelle, die einfach nicht fertig wird?
