Am 14. Oktober 1933, heute vor 93 Jahren, tritt in Köln eine Frau in ein Kloster ein. Sie ist 42 Jahre alt und Doktorin der Philosophie. Sie kommt aus einer jüdischen Familie, und als junge Frau hat sie an gar nichts geglaubt. Jetzt will sie Nonne werden. Wie kam es dazu? Alles beginnt mit einem Buch und einer einzigen Nacht.

Ein Mädchen, das nicht mehr betet
Edith Stein kommt 1891 in Breslau zur Welt, heute gehört die Stadt zu Polen. Sie ist das jüngste von 11 Kindern. Der Vater stirbt, als sie zwei Jahre alt ist. Als junges Mädchen hört Edith auf zu beten. Später schreibt sie, sie habe sich das Beten „ganz bewusst und aus freiem Entschluss“ abgewöhnt.
Eine Frau will Professorin werden
Edith ist sehr begabt. 1913 geht sie nach Göttingen zu Edmund Husserl, einem der bekanntesten Philosophen seiner Zeit. Ihre Doktorarbeit fragt: Wie verstehen wir, was ein anderer Mensch fühlt? Sie bekommt die beste Note, die es gibt, und wird Husserls Assistentin.
Dann möchte sie selbst an der Universität lehren. Dafür braucht man eine zweite große Arbeit, die Habilitation. Edith versucht es viermal, aber jedes Mal heißt es Nein. Der Grund: Sie ist eine Frau.
Eine Nacht mit einem Buch
1917 stirbt ihr Freund Adolf Reinach als Soldat. Edith besucht seine Witwe. Die junge Frau ist Christin, und Edith sieht, wie der Glaube ihr in der Trauer Kraft gibt. Später schreibt sie: „Es war der Augenblick, in dem mein Unglaube zusammenbrach.“
Im Sommer 1921 wohnt sie bei einer Freundin in Bergzabern in der Pfalz. Dort findet sie die Lebensgeschichte der heiligen Teresa von Ávila, einer spanischen Nonne. Edith liest die ganze Nacht. Sie erinnert sich: „Als ich das Buch schloss, sagte ich mir: Das ist die Wahrheit.“ Am 1. Januar 1922 lässt sie sich taufen.
Der Weg ins Kloster
1933 kommen die Nationalsozialisten an die Macht, und als Jüdin darf sie nicht mehr lehren. Sie schreibt einen Brief an Papst Pius den Elften und bittet ihn, öffentlich gegen die Verfolgung der Juden zu sprechen. Eine Antwort bekommt sie nicht.
Im Oktober tritt sie in den Karmel in Köln ein, ein Kloster mit sehr strengen Regeln. Für ihre Mutter, eine fromme Jüdin, ist das ein schwerer Schritt. Im Kloster bekommt Edith einen neuen Namen: Teresia Benedicta vom Kreuz.
Was bleibt
Nach der Pogromnacht 1938 bringen die Schwestern sie in ein Kloster in den Niederlanden. Im August 1942 holt die Gestapo Edith und ihre Schwester Rosa ab. Beide werden nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.

1998 hat Papst Johannes Paul der Zweite sie heiliggesprochen. Heute ist sie eine der Schutzpatroninnen Europas, und ihre Bücher liest man noch immer. Gibt es ein Buch, das dein Leben verändert hat?
