Im Juni 2026 haben mehr als 500.000 Menschen in einer Woche ein Computerspiel gekauft, dessen Geschichte 25 Jahre alt ist. Das neue „Gothic“ hat ein junges Team in Barcelona gebaut. Das Studio aus dem Ruhrgebiet, das diese Welt einst erfunden hat, gibt es nicht mehr. Es wurde 2024 geschlossen, fast ohne ein Wort.
Ein Türsteher und drei Kollegen
Mitte der Neunzigerjahre arbeitete Tom Putzki nebenbei als Türsteher. Dort lernte er drei Leute kennen, die in Bochum Computerspiele entwickelten. Bald machte er bei ihrer Firma ein Praktikum und wurde Grafiker. Im Oktober 1997 gründete er mit drei Kollegen ein eigenes Studio: Piranha Bytes. Ihr Ziel war ein großes Rollenspiel.
Niemand wartet auf dich
Im März 2001 kam „Gothic“ auf den Markt. Der Spieler ist ein Held ohne Namen. Man wirft ihn in eine Strafkolonie, die von einer magischen Barriere umgeben ist. Am Anfang ist er schwach, und niemand interessiert sich für ihn.

Neu war vor allem die lebendige Welt. Die Figuren hatten ihren eigenen Tagesablauf: Sie gingen schlafen und trafen sich abends am Lagerfeuer. Die Dialoge waren rau und direkt. Im Ausland blieb das Spiel eher ein Geheimtipp, aber in Deutschland und Polen wurde es zum Kultspiel. Sogar die Macher von „The Witcher“ nannten „Gothic“ später als Vorbild.
Ein leises Ende
Danach machte das Studio, inzwischen in Essen, weitere Rollenspiele. Sie gewannen Preise, verkauften sich aber schlechter als die großen internationalen Spiele. 2019 kaufte der Verlag THQ Nordic das Studio. Dann geriet der Mutterkonzern in Geldnot und begann zu sparen. Ende 2023 verloren viele Mitarbeiter ihre Arbeit, Ende Juni 2024 wurde das Büro geräumt. Eine offizielle Erklärung gab es nie.
Ein Remake aus Spanien
Die Rechte an „Gothic“ gehörten aber dem Verlag. Schon im Dezember 2019 zeigte er eine kurze Probe zum Spielen. Über 90 Prozent der befragten Spieler wünschten sich danach eine Neuauflage. Dafür entstand 2021 in Barcelona ein neues Studio. Die alten Macher aus dem Ruhrgebiet waren nicht dabei.
Am 5. Juni 2026 erschien das neue „Gothic“. Zwei Tage später spielten fast 78.000 Menschen gleichzeitig. Die Kritiker lobten das typische „Gothic“-Gefühl und ärgerten sich über technische Fehler. Der Verlag dankte den Fans, die der Reihe seit 25 Jahren treu sind: Ohne sie wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.
So lebt der Held ohne Namen weiter, auch ohne das Studio, das ihn erfunden hat. Und du? Welches Spiel aus deiner Jugend würdest du gern noch einmal spielen?
