Wie klang die Stimme von Otto von Bismarck? Über 100 Jahre lang wusste das niemand. Manche Leute sagten sogar: Der große Kanzler hatte eine hohe, dünne Stimme. Dann fanden Forscher in Amerika eine alte Walze aus Wachs. Darauf ist ein besonderer Brief. Man kann ihn nicht lesen. Man muss ihn hören.

Eine neue Maschine
Im Jahr 1889 war der Phonograph noch ganz neu. Der Amerikaner Thomas Edison hat ihn erfunden. Mit dieser Maschine kann man eine Stimme auf eine Walze aus Wachs aufnehmen und später wieder anhören.
Edison schickte seinen Mitarbeiter Theo Wangemann nach Europa. In Paris arbeitete er mit den Phonographen auf der Weltausstellung. Viele berühmte Leute wollten die neue Maschine sehen, auch Bismarck.

Lieder statt Politik
Am 7. Oktober 1889 besuchte Wangemann Bismarck in Friedrichsruh bei Hamburg. Bismarck war damals 74 Jahre alt und Kanzler des Deutschen Reiches. Seine Frau Johanna wollte die Aufnahme gern.
Wangemann hoffte auf eine Rede über Politik. Aber Bismarck wollte das nicht. Er sprach lieber ein paar Zeilen aus Liedern und einem Gedicht, und das in 4 Sprachen: Englisch, Latein, Deutsch und Französisch. Am Ende gab er seinem Sohn Herbert einen Rat: Mach alles mit Maß, das Arbeiten, das Essen und besonders das Trinken.
Herbert war zu dieser Zeit in Budapest. Wangemann reiste weiter dorthin und hat ihm die Walze vorgespielt. Herbert hörte die Stimme und erkannte seinen Vater. Der Forscher Stephan Puille sagt deshalb: Das war der erste Brief zum Hören in der Geschichte.
Eine Kiste hinter dem Bett
Die Zeitungen schrieben damals über die Aufnahme. Aber dann hat man sie vergessen. Später kam die Walze in Edisons Labor in Amerika.
Im Jahr 1957 fand man dort eine kaputte Kiste aus Holz. Sie war in einem Schrank hinter Edisons Bett. Auf dem Deckel standen nur zwei Namen: Wangemann und Edison. Eine Liste gab es nicht, und einige Walzen waren zerbrochen. Niemand wusste: Wer spricht hier?
Erst im Jahr 2011 hat man die Walzen mit einem speziellen Gerät abgespielt und am Computer gespeichert. Stephan Puille hörte genau zu und erkannte: Das ist Bismarck! Im Januar 2012 hat man die Aufnahme der Welt gezeigt.
Und die hohe Stimme?
Die Aufnahme rauscht stark, aber man versteht die Worte. Und Bismarck spricht ganz normal, sagt Puille. Die Geschichte von der dünnen Stimme stimmt also nicht. Heute kann man die Aufnahme im Internet hören.
Und du? Welche Stimme aus der Geschichte möchtest du gern einmal hören?
