Ein Mathematiker arbeitet jahrelang an einem der schwersten Probleme der Welt. Mit einem Kollegen und mit KI ist er fast am Ziel. Dann ist eine Firma schneller: Sie schickt 10.000 KI-Agenten los. Jetzt gibt es einen Beweis, aber auch einen Streit. Wem gehört die Lösung?
Ein Rätsel für 1 Million Dollar
Die Navier-Stokes-Gleichungen beschreiben, wie Wasser und Luft fließen. Eine Frage dazu ist seit langer Zeit offen: Kann die Geschwindigkeit in diesen Gleichungen plötzlich unendlich groß werden? In der Natur ist das unmöglich. Wenn die Gleichungen es trotzdem erlauben, haben sie einen Fehler. Das Clay-Institut in den USA hat für die Antwort 1 Million Dollar versprochen.

Zwei Menschen und ihre Maschinen
Für Tristan Buckmaster von der New York University war dieses Problem sein „Polarstern“. 2025 bekam er eine E-Mail von einem Fremden: Levent Alpöge, Mathematiker bei der KI-Firma Anthropic. Er schrieb, er habe Angst vor einer Welt, in der nur Firmen ein Recht auf die tiefste Mathematik haben. Die beiden ließen KI-Modelle für sich rechnen. Dabei folgten sie einem Plan von zwei Forschern aus Spanien.
Ich habe Angst vor einer Welt, in der nur Firmen ein Recht auf die tiefste Mathematik haben.
Am 15. August 2026 kam der erste Erfolg: Claude, die KI von Anthropic, löste eine einfachere Version des Problems, ohne Reibung. Buckmaster nannte den Beweis „die schrecklichste Mathematik, die ich je gesehen habe“. Aber das Programm Lean hat jeden Schritt geprüft, und alles war korrekt.
10.000 Agenten in 88 Stunden
Auch OpenAI hatte ein neues Modell trainiert. Am 1. September schickte die Firma es auf dieselben Probleme. Zwei Tage später schrieb Buckmaster an OpenAI und schlug vor, nicht gegeneinander zu arbeiten. Noch in derselben Nacht lösten 100 KI-Agenten von OpenAI die einfachere Version, auf einem neuen Weg.
Danach arbeiteten etwa 10.000 Kopien des Modells gleichzeitig am großen Problem. Nach 88 Stunden war der Beweis fertig, 166 Seiten lang. Die Rechenzeit hat wohl rund 15 Millionen Dollar gekostet. Am 8. September haben beide Teams ihre Beweise veröffentlicht.
Ein Streit um die Ehre
Buckmaster glaubt: OpenAI kannte seine Ideen. Er erzählt, die Firma habe ihm ein Angebot gemacht. Er sollte der erste Autor des Beweises werden, aber ohne Alpöge, weil der bei der Konkurrenz arbeitet. OpenAI bestreitet die Vorwürfe und sagt: Das Modell konnte Buckmasters Daten nicht sehen. Mehrere Experten meinen aber: Im Detail ist der Weg der Maschinen anders.
Und stimmt der Beweis?
Auch das ist noch nicht klar. Drei Mathematiker aus Cambridge haben gezeigt: Der Beweis für Menschen und der Beweis im Programm Lean sagen nicht genau dasselbe. Das Clay-Institut hat den Preis noch nicht vergeben.
Bei einem Vortrag sagte Buckmaster, die KI-Firmen sollen aufhören, sich „wie Kinder“ zu benehmen. Dafür gab es den lautesten Applaus des Tages. Was denkst du: Wem gehört eine Idee, wenn eine Maschine sie zu Ende denkt?
