Seit über 100 Jahren versuchen Menschen, ein Buch zu lesen, und niemand schafft es. Jetzt sagen zwei Forscher: Das Problem ist vielleicht nicht nur die Schrift. Vielleicht liegen die Seiten in der falschen Reihenfolge, und das schon seit über 500 Jahren.

Das geheimnisvollste Buch der Welt
Das Buch heißt Voynich-Manuskript. Es hat etwa 240 Seiten aus Pergament, also aus Tierhaut. Das Pergament ist rund 600 Jahre alt. Auf den Seiten sind seltsame Bilder: Pflanzen, die es nicht gibt, Sterne und Frauen im Bad. Und überall steht Text in einer Schrift, die niemand kennt.
Kaiser Rudolf der Zweite hat das Buch für 600 Goldmünzen gekauft. Im Jahr 1912 hat ein Buchhändler aus Polen es in Italien gekauft: Wilfrid Voynich. Heute liegt es in einer Bibliothek in den USA. Ist der Text ein Code? Eine verlorene Sprache? Oder Unsinn? Das weiß bis heute niemand.
Ein Blatt, vier Seiten
Alte Bücher hat man so gemacht: Man nimmt ein großes Blatt und faltet es in der Mitte. So hat ein Blatt 4 Seiten. Dann legt man mehrere Blätter ineinander, wie bei einer Zeitung, und näht sie in der Mitte zusammen. Die zwei Hälften von einem Blatt liegen dann oft weit auseinander: eine vorne, eine hinten.

Was der Computer gefunden hat
Die Amerikanerin Lisa Fagin Davis und Colin Layfield aus Malta haben den Text mit einem Computerprogramm verglichen. Das Programm kann den Text nicht lesen. Aber es sieht, auf welchen Seiten ähnliche Wörter stehen.
In einem normalen Buch passen zwei Seiten nebeneinander am besten zusammen. Bei zwei anderen alten Büchern war es auch so. Beim Voynich-Manuskript ist es anders: Seiten nebeneinander passen schlecht zusammen. Aber die zwei Hälften von einem Blatt passen gut zusammen, auch wenn sie weit auseinander liegen.
Ein Stapel loser Blätter
Die Forscher glauben deshalb: Am Anfang lagen die Blätter nicht ineinander, sondern lose aufeinander, wie ein Stapel. Wahrscheinlich im 15. Jahrhundert hat jemand daraus ein Buch gemacht. Diese Person konnte den Text auch nicht lesen und hat die Blätter falsch ineinander gelegt.
Und jetzt?
Lesen kann man das Buch noch immer nicht. Die Forscher sagen selbst: Sicher ist das erst, wenn jemand den Text versteht. Aber für zwei Teile des Buches haben sie schon eine neue Reihenfolge gefunden. Dort passen die Seiten jetzt besser zusammen. Davis sagt: Alle Forschung mit der alten Reihenfolge muss man noch einmal prüfen.
Was meinst du: Ist das Buch ein Code, eine Sprache oder ein Spiel?
