Am 21. Juli 1801 stürzt in München ein altes Haus ein. Unter den Trümmern liegt ein Junge, 14 Jahre alt, ohne Eltern. Nach einigen Stunden holen ihn Helfer heraus, fast ohne Verletzungen. Der Junge heißt Joseph Fraunhofer. Später findet er im Licht der Sonne ein Geheimnis. Erst nach seinem Tod versteht man es: Das Licht erzählt, woraus die Sterne sind.
Ein Kind ohne Bücher
Joseph Fraunhofer ist 1787 in Straubing in Bayern geboren. Sein Vater war Glaser. Als Kind hat Joseph beide Eltern verloren. Mit 12 Jahren ist er nach München gekommen. Dort hat er bei einem Spiegelmacher gelernt und gearbeitet. Der Meister hat ihm verboten, zur Schule zu gehen und Bücher zu lesen.
Der Kurfürst kommt selbst
Dann ist das Haus des Meisters eingestürzt, und Joseph war verschüttet. Sogar der Kurfürst Max Joseph, der Herrscher von Bayern, ist selbst zur Unglücksstelle gekommen.
Joseph hat überlebt, und der Kurfürst hat ihm 18 Dukaten geschenkt. Joseph hat davon eine Maschine zum Schleifen von Glas gekauft. Auch ein reicher Mann, Joseph von Utzschneider, hat ihm geholfen: Jetzt durfte Joseph zur Schule gehen und Bücher lesen.

Glas aus dem Kloster
Später hat Fraunhofer für Utzschneider gearbeitet, in einer Glashütte in einem alten Kloster in Benediktbeuern. Schon als junger Mann hat er sie geleitet und sehr gutes Glas für Linsen und Fernrohre gemacht.
Dunkle Linien im Sonnenlicht
Für gutes Glas muss man sehr genau messen. Deshalb hat Fraunhofer das Licht der Sonne durch ein Prisma geschickt. Dann wird das Licht zu einem Band aus Farben, wie ein Regenbogen. Um 1814 hat Fraunhofer in diesen Farben etwas Seltsames gesehen: dunkle Linien. Er hat 574 Linien gezählt und gezeichnet. Mit ihnen konnte er sein Glas prüfen.

Aber was bedeuten die Linien? Das wusste Fraunhofer nicht. Erst um 1860 haben Robert Bunsen und Gustav Kirchhoff die Antwort gefunden. Die Linien zeigen die Stoffe im Licht, zum Beispiel Eisen. So kann man lesen, woraus die Sonne und die Sterne bestehen, ohne dorthin zu fliegen.
Er brachte die Sterne näher
Fraunhofer hat das nicht mehr erlebt. Er ist am 7. Juni 1826 in München gestorben, mit nur 39 Jahren, an Tuberkulose. Diese Krankheit hatten damals viele Glasmacher. Auf seinem Grab steht ein Satz auf Latein. Er bedeutet: „Er brachte die Sterne näher.“
Heute trägt eine große Organisation für Forschung seinen Namen, die Fraunhofer-Gesellschaft. Hast du schon einmal von einem Fraunhofer-Institut gehört? Jetzt weißt du, wer dahinter steht: ein Junge aus den Trümmern.
